Kunst ist nichts für Weicheier

SCREAM > eine Stimme + Geschichte mit jener Kraft, die sich daraus entfaltete und mich bestärkt, meinen WEG zu gehen... as there was no other Choice...

 

Ich wurde zu Beginn dieses Jahres von Connie Noyes, einer langjährigen Weggefährten und Konzeptkünstlerin aus Chicago, USA angefragt, bei ihrem Art Project  THE COLLECTIVE  SCREAM mit zu machen. 

SCREAM  – da dacht ich zuerst mal gleich an den norwegischen expressionistischen Wegbereiter Edgar Munch  > MUNCH und an seinen SCHREI 

NEIN –  STOP –  sofort war mein fotografisches retrospektives Gedächtnis da… 
 denn zu Anbeginn meines   jungen Lebens war mein Schrei bei der Geburt  leicht , unbeschwert , kraftvoll und klar… laut meiner Mutter   und so erinnere ich mich auch schemenhaft an meine fröhliche Kindheit.  Bis zu jenem Gewaltakt und damit ein auslösendes Trauma, welches mir mit knapp 6 Jahren widerfahren ist. Aus dem Hinterhalt  mit einer Puppe auf einen Dachboden gelockt von einem Täter, der meinen Körper vergewaltigte und zutiefst peinigte. Meine Seele ging damals aus dem Körper einem hellen Licht entgegen; mehrere dieser außerkörperlichen Erfahrungen folgten. 2018 öffnete sich meine bis dahin sehr verschlossene Pandora Box und ich sah , wie ich damals als knapp 6 Jährige wieder in meinen Körper zurück kehrte eben nach diesem grausam Akt. Diese Bilder sind für mich emotional greifbar , ich kann dieses Erlebte annehmen und es sein lassen, ohne dass ich daraus seelisch zerstört hervorging.  Meine Werkserie THE SECRET  war das Ergebnis einer jahrelangen unbewussten Suche, ein Getrieben Sein. Als sich 2018 meine Black Box öffnete, war der Druck in mir weg und ich zurückversetzt in eine Zeit, die mich jahrelang peinigte und unbewusst begleitete. Ich empfand mich wie in einer großen Wunde liegend mit offenen Augen  feststellend …okay… SO war das damals und endlich fand  mein Lebenspuzzle das fehlende Stück. Ich empfand mich als  “ neu “ geboren, endlich aufatmen zu können und dabei zu erkennen, wer ich wirklich bin als Petronilla mit all den Geschichten, die mich zu der Person formten, die ich heute bin. Mit sehr einfühlsamen Therapeuten konnte ich diese Geschehnisse verarbeiten, sie sind Teil meines Lebens, ich verleugne sie nicht, sie prägten mich und formten mich. Sie lehrten mich vor allem,  über diesen Schmerz hinauszuwachsen, weiterzumachen und  mit Neugierde und Mut auch weiterhin dem Leben offen und bejahend zu begegnen. Selbstbejahend zu sein.  Doch was bedeutet dieses Erlebnis für ein junges Mädchen kurz vor Schulbeginn. Sozusagen ein großes Loch , in welches ich von einem Menschen/Mann gezogen wurde, welches nicht meines war,  nie gewesen ist und doch dafür benützt wurde und ein Teil meiner Ahnengeschichte war – thats it – ich danke mir, dass ich die Stärke besitze, diese Wunden anzuschauen und   für mich sowohl als auch für meine Ahnen zu heilen. Das sog. ROLLENBILD der FRAU damals 1970 ließ einige Fragen offen. Die 1968er Bewegung war  in Waldkirchen sicherlich nicht lebendig, da lief so empfand ich es, versteckt ein anderer Film ab. 

Als Frau mit ihrem SEIN nicht wirklich gesehen zu werden, in eine  Schublade gesteckt zu werden, sich anzupassen , dem Mann zu dienen, stark zu sein, die Kindererziehung oftmals alleine zu bewältigen, usw. all diese Klischeebilder dieser Rollenverteilung , die wir auch aus der damaligen Werbung ab dem zweiten Weltkrieg nur all zu gut kennen und die Emanzipation der Frau war damals in Punkto Kleidung mehr ein Aufbegehren in diesem ländlichen Bereich des bayerischen Waldes, um überhaupt als Frau gesehen und wahrgenommen zu werden. 

Punktum – mein Leben verlief nach 1970 auf einen Nenner gebracht  “ shit happens  not only once „,  eine 2. Vergewaltigung fand statt mit knapp 11 Jahren.  Ich war  zwar in meinem Leben anwesend, doch nie richtig lebendig mittendrin und die Fröhlichkeit fehlte mir zunehmend –  well wie konnte es anders sein –  ich disassozierte mich als Kind und Jugendliche von all diesen heftigen Geschehnissen und Erlebnissen und meine Emotionen lagen blank und ab und an auf Eis. Es folgten weitere persönliche Übergriffe  oftmals verbaler, emotionaler und geistig-seelischer Art, nicht immer körperlicher Art. Dieser Akt des mundtot machen  war oftmals noch schwerer auszuhalten. Und meine physische und verbale Gegenwehr verlief oftmals ins  Nichts, da ich mich damals in jungen Jahren als klein, wertlos und nicht geschützt fühlte. So blieb ich stumm und passte mich an und änderte mein Verhalten.  Meinen Eltern gebe ich keine Schuld . Als Kind konnte ich ihnen dieses Verbrechen was mir widerfahren ist,  nicht verbalisieren auch deshalb, weil  ich diese Grausamkeit nicht kannte. Und so schwieg ich – meine körperlichen Schmerzen und mein verändertes Verhaltensmuster  wurden auch damals von Ärzten und Pädagogen nicht wirklich wahrgenommen.  Gewalt und Vergewaltigung war damals zu dieser Zeit ein heißes Eisen und wurde kollektiv verleugnet, sowohl als auch sicherlich die Scham zu groß, um darüber zu sprechen.  Doch an eines erinnere ich mich sehr –  ich hatte in mir einen Rückzugsort.  Es  war mein innerer Schutzraum, sozusagen meine Rettung und mein Zufluchtsort. In den zog ich mich zurück. Mein Raum , der mich umhüllte und der mir Kraft gab.  Dessen war ich mir immer bewusst  und dieses Vertrauen in diesen inneren Raum ließ mich so manches aushalten und meinen Weg gehen. Der Tod meines Bruders, mit dem ich mich aus vollem Herzen verbunden fühlte, war ebenso ein weiteres grausames Schicksal , welches ich mit knapp 22 Jahren erlebte . Und mir einfach ein zu viel an Schmerz und ich flüchtete aus diesem Leid, der Not und dieser komischen Anderswelt, in der jeder schwieg, ewig verurteilte, gelogen wurde, sich über den anderen stellte. Und so begann ich zu reisen.  Indonesien war sicherlich für mich  ein Türöffner für meinen Geist , für meine Seele und auch für meinen Körper. Meine Ess-Störung, die ich zuvor in Deutschland hatte, war beendet. Und die Kunst rief mich, um mich  aus diesem alten angestaubten Moloch des Schmerzes , der Trauer, der Gewalt, der Verleugnung und dem damit einhergehenden Aussenseitertum zu befreien. Jetzt im Nachhinein betrachtend lichteten sich in mir weitere Bilder und Erkenntnisprozesse,, die meine  ganzheitliche  Heilung unterstützten und mein Bewusstsein erweitern. Sowohl auch das kollektive BILD der FRAU und   Mannes neu “ formatiert “ und  ich dabei einen kollektiven Wandel bezüglich dieses alten stigmatisierten und ausgedienten Rollenbildes wahrnehme. Das Erwachen eines bestärkenden Bewusstseins eine selbstbestimmte FRAU zu sein nimmt zu. Verbunden mit einem inneren Selbstverständnis , dass wir Frauen uns unserer weiblich bestärkenden göttlichen KRAFT bewusster werden. Diese handlungsaktiv  für uns selbst und auch zum Wohle aller einsetzen.  Eine Frau,  die sich aus der kollektiven patriarchalischen Opferrolle bzw. Gefangenschaft befreit. Und das Loslassen dieser alten Rollenbilder wird sichtbar und zieht weite Kreise.

Es ist mein  authentischer SCHREI, der diesen kollektiven SCREAM und dessen SPIRIT mit bestärkt und für uns FRAUEN, ja für unsere WEIBLICHKEIT, FÜLLE und SCHÖNHEIT steht. Für unsere WÜRDE, für unseren einzigartigen WERT. Und auch  für uns selbst , damit wir unsere einzigartige Präsenz  beleben, sie anerkennen. Unsere feminine “ göttliche “ Kraft wertzuschätzen , sie zu bestärken,  damit diese in uns wohnende Kraft gegenwärtig und nachhaltig auf „Augenhöhe im Zwischenmenschlichen “  wirksam ist.

Jeder Teilnehmer dieses Projektes hat seine individuelle Intention,  die seinem Schrei   zugrunde gelegt ist! Daraus ergibt sich eine  HALTUNG und eine STIMME,  die  bewegt und wandelt. Die Stimme ist ein Instrument des Körpers, die uns auch  dazu veranlasst , sie zu benützen, um gehört zu werden – just scream !  

 

hier der Link  >  COLLECTIVE SCREAM ART PROJECT   

scrolle dann zu diesem Foto mit der dazugehörigen mp4 Sound Datei meines SCHREI`S  

28.3.2022 | 20:00 Uhr, Künstleratelier,  Fenster Richtung Bahnhof Waldkirchen, Deutschland

Ich schrie über meine physische und psychische Verletzung, über meine emotionale Wunde, die mir als 6-jähriges Mädchen von einem Mann und Narzissten zugefügt wurde – einem Vergewaltiger, der mich fast mein ganzes Leben lang unbewusst gequält und verfolgt hat. Seit ich mich mit meiner posttraumatischen Belastungsstörung auseinandergesetzt habe, erfahre ich Heilung für meine Seele. Es ist ebenso eine kollektive und globale Wunde, die uns Frauen durch Vergewaltigungen jeglicher Art und Weise seit Jahrtausenden zugefügt wurde und die unsere natürlich göttliche feminine Ur-Kraft herabsetzt – deshalb erhebe ich meine Stimme und schreie. Ich schreie auf über die Ungerechtigkeit und insbesondere dessen,  dass  das Recht  der Frau und  einhergehend ihre Würde und Wirkkraft im 21. Jahrhundert immer noch ignoriert wird und die Macht der alten weißen Männer mit ihrer patriarchalischen Einstellungen immer noch vermehrt am Wirken ist. Eine Frau besitzt Würde und eine Stimme. Sie ist  weltweit ein Gradmesser für Demokratie, Frieden, Toleranz und auch ein Gradmesser für Sicherheit. Ein Schrei nach einer feministischen Politik, die Frauen bestärkt und schützt 

Während ich schrie, schaute ich in die Richtung des Hauses, in dem die Vergewaltigung stattfand, die mir seit meiner frühen Kindheit immer wieder die Lebensfreude nahm. Ich spürte eine ungeheure und endgültige heilende Wut aus meinem Becken in mein Herz aufsteigen und vor allem eine Erleichterung nach dem Schrei, obwohl ich Tage danach heiser war  – es tat  gut und wirkt befreiend…


March, 28th, ´22 | 8:00 pm , Artist Studio,  Back Yard Window, Waldkirchen, Germany 

I cried out about my physical and psychological injury, about my emotional wound inflicted on me as a 6-year-old girl by a man and narcissist – a rapist who subconsciously tormented and stalked me subconsciously for most of my life. Since dealing with my post-traumatic stress disorder, I have been experiencing healing for my soul. This scream is a collective and global wound inflicted on us women by rape of any kind that diminishes our naturally divine feminine power – that is why I raise my voice and scream loudly. I cry about the injustice and especially about the fact that the right of a woman and her dignity and power is still ignored in the 21st century and the power of the old white men with their patriarchal attitudes is still increasingly at work. A woman has dignity and a voice. She is a gauge for democracy, peace, tolerance and also a gauge for security worldwide. A Scream for feminist policies that empowers and protects women worldwide.  

While I was screaming, I was looking in the direction of the house where the rape took place, which sometimes took away  the joy for  life since early childhood. I felt a tremendous and final healing rage rising from my pelvis to my heart and, above all, a relief after the scream, although I was hoarse for days afterwards * SMILE *  – worth to go for…

scream out loud

 denn die WÜRDE des MENSCHEN ist unantastbar  

Petronilla Hohenwarter
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